Oktoberfest Lindau
Die Presse berichtet.. Lindauer Oktoberfest
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2014: Schwäbische Zeitung, Region Lindau
von Susi Donner

Lindauer Oktoberfest "Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben, auf den Moment, der immer bleibt…" diesen Text von Andreas Bourani jubeln gemeinsam mit der Joe Williams- Band gleichzeitig wohl an die zweitausend Kehlen. Glückliche Gesichter. Strahlende Augen. Es ist schon spät am ersten Abend des Lindauer Oktoberfestes, am „Abend der Betriebe“, und längst hat die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht. Die Musiker auf der Bühne geben seit Stunden alles, und nachdem sie das Partyvolk mal auf der Tanzfläche haben, ruhen die Tänzer sich nur noch in den Spielpausen aus, fassen Essen oder füllen die Krüge.

Relativ wenige Leute tanzen auf den Tischen und Bänken, die meisten nutzen die riesige Tanzfläche, genießen es, sich in dem Meer aus Fröhlichkeit einfach treiben zu lassen. Überall Pärchen die sich selig in den Armen liegen. Freundinnen, die Arm in Arm tanzen und vor Ausgelassenheit kaum mehr wissen, wohin mit ihren Gefühlen. International ist das Publikum – auch der Firmen wegen, die heute hier feiern. Viele von ihnen sind Globalplayer mit Fachleuten aus der ganzen Welt.

Da ist beispielsweise Steffi aus Spanien. Sie hat die gasgefüllten Luftballons ihrer Firma an den Kragen gebunden und sieht aus, als ob sie jeden Moment abheben wollte, wenn da nicht ihr Freund Alberto wäre, der sie festhält. Oder Javi Escribá aus Valencia, der seiner Virginia Lavanchy aus der Schweiz eine Rose, die er im Vergnügungspark geschossen, hat zu Füßen legt. Und Silene Snyder aus Kanada, die sich über das Lindauer Oktoberfest mit großen Augen wundert. So etwas hat sie noch nie erlebt. Allesamt junge Leute, die sagen: „Wow, das ist ein tolles Fest.“ Was gut ankommt: Das Zelt ist während des gesamten Abends gut beleuchtet - man sieht einander und wird gesehen. Keine dunklen Winkel und Löcher, sondern eine helle, freundliche und übersichtliche Atmosphäre, trotz der Größe des Zeltes. Und trotzdem immer passend zu den Liedern mal Schummerlicht, mal knallbunte Discobeleuchtung.

„Ich wünsche Euch einen guten Heimweg!“

Gemütlich, extrem lauschig und etwas ruhiger ist die Stimmung auch im romantisch illuminierten Außenbereich. Es ist warm – dennoch reicht die Nachtluft für die Heißgetanzten, um sich abzukühlen. Der Mond scheint immer mal durch ein paar Schäfchenwolken auf das Oktoberfest herunter, und viele Besucher finden es hier draußen am schönsten.

Franz-Peter Seidl steht an der urigen Weizenhütte und schwärmt: „Die gewaltige Power, die aus einem Musikverein herauskommt, überwältigt mich. Die Musikanten, die so viel auf die Beine stellen und mit ihrem Engagement so vielen Menschen eine Freude machen, imponieren mir unglaublich“, sagt er und stößt mit seiner Frau und Freunden gut gelaunt aufs Lindauer Oktoberfest und seine Macher an. Und er erzählt: „Ich habe gesehen, wie Karl Meßmer, der Vorsitzende des Musikvereins Aeschach-Hoyren, aufmerksam durch das Festzelt und übers Außengelände läuft. Er schaut, ob alles in Ordnung ist. Immer wieder. Und ich habe gesehen, wie er persönlich Aschenbecher geleert hat. Das zeigt doch, warum auch alle anderen so leistungsbereit sind. So wie es der Kopf vormacht, so zieht der Rest nach.“

Der Samstag, der Partyabend mit den „Blaumeisen“ vom Cannstatter Wasen, steht der Stimmung vom Freitag in nichts nach. Ein insgesamt etwas jüngeres Publikum rockt die Tanzfläche und die Bänke. Die Luft flirrt beinahe von der guten Laune. Beim Verlassen des Geländes, kurz nach Mitternacht, sagt der Helfer im rot-weiß-karierten Hemd am Ein- und Ausgang, der hier seit Stunden ehrenamtlichen Dienst schiebt: „Ich wünsche Euch einen guten Heimweg!“ Das lässt die müde verschwitzten Gesichter nochmal aufleuchten: „Also das habe ich noch bei keinem Fest erlebt. Aber das passt zum Lindauer Oktoberfest“, freut sich ein Besucher und dreht sich nochmal um.